Welche Rolle kommt aus Ihrer Sicht den Pensionskassen bei der Bekämpfung überhöhter Managergehälter zu?
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Im Interview: Dominique Biedermann
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D. Biedermann: Als langfristig orientierte Aktionäre sollten die Pensionskassen systematisch ihr Stimmrecht ausüben. Solange die Möglichkeit besteht, an der Generalversammlung über den Vergütungsbericht abzustimmen, können und müssen die Pensionskassen aktiv werden.
Und welches Gewicht haben sie damit?
D. Biedermann: Sie sind wichtige institutionelle Anleger; auch wenn sie nicht alleine die Mehrheit der Stimmen hinter sich haben, können sie ein Zeichen setzen, wenn sie systematisch abstimmen.
Wie gut schöpfen die Pensionskassen ihre diesbezüglichen Möglichkeiten aus?
D. Biedermann: Noch zu wenige schweizerische Pensionskassen üben systematisch ihre Stimmrechte aus. Meiner Meinung nach muss sich dies ändern, da diese Stimmrechte einen wirtschaftlichen Wert haben. Deshalb hätten die Pensionskassen eigentlich die Pflicht, alle ihre Stimmrechte systematisch wahrzunehmen.
Haben «die Pensionskassen» in dieser Hinsicht ausnahmslos die gleichen Interessen? Darf man hier so pauschal denken?
D. Biedermann: Die Pensionskassen sind alle langfristig orientiert. In diesem Sinne haben sie alle das gleiche Interesse, dass die Corporate Governance bei den börsenkotierten Unternehmen gut ausgestaltet ist.
Kontinuierlicher Dialog
Wie können Pensionskassen auch ausserhalb von Generalversammlungen aktiv werden?
D. Biedermann: Dies ist grundsätzlich möglich und, so bin ich überzeugt, auch angebracht und zielführend. Ethos als Beispiel konzentriert sich genauso stark auf den kontinuierlichen Dialog mit dem Management wie auf die Ausübung der Stimmrechte an der Generalversammlung. Diesem Dialog kommt grosse Bedeutung zu; er wird diskret geführt, da man die Inhalte oft gerade nicht in den Medien sehen möchte. Ich kann Ihnen versichern, dass sich in diesem Rahmen ausserhalb der Generalversammlung häufig viel mehr erreichen lässt. Wir haben einen Dialog mit den hundert grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen aufgebaut – damit haben wir vor sechs Jahren mit zwei Pensionskassen begonnen. Heute sind an diesem Programm 44 Pensionskassen beteiligt. Es geht dabei auf der einen Seite um die Corporate Governance, auf der anderen Seite um soziale und ökologische Verantwortung der Unternehmen.
Wenn Sie die aktuellen Entwicklungen betrachten: Erwarten Sie bezüglich der Vergütungspolitik im Top-Management einen positiven Trend – oder geht tatsächlich alles weiter wie schon immer?
D. Biedermann: Es gibt noch zahlreiche Unternehmen, bei denen noch kein Trend zu mehr Vernunft spürbar ist. Einer der Gründe dafür ist wahrscheinlich, dass in der Schweiz die Abstimmung der Generalversammlung über die Vergütungspolitik nicht obligatorisch ist. Freiwillig werden zwar solche Abstimmungen bei einigen Unternehmen durchgeführt, doch sie haben nur konsultativen Charakter. Dies sollte sich allerdings relativ schnell ändern, denn entsprechende Vorschläge werden im Rahmen der hängigen Revision des Gesellschaftsrechts diskutiert. Die Aktionäre müssen mehr Rechte erhalten, damit sie sich klar gegen übertriebene Vergütungen stellen können. Dies bedeutet dann aber auch, dass sie diese wahrnehmen müssen.
In welchen weiteren Bereichen sehen Pensionskassen in ihrer Rolle als Aktionäre Handlungsmöglichkeiten oder sogar Verpflichtungen?
D. Biedermann: Wir haben Interesse daran, dass Unternehmen langfristig erfolgreich sind. Um dazu beizutragen, können wir nicht nur die Managerlöhne betrachten, sondern müssen auch andere Aspekte der Corporate Governance berücksichtigen. So ist zum Beispiel die Zusammensetzung und das Funktionieren des Verwaltungsrats zentral. Oder: Welche Kontrollmechanismen hat ein Unternehmen aufgebaut? Gibt es Verhaltenskodexe? Wie nimmt ein Unternehmen seine soziale und ökologische Verantwortung wahr? Sie sehen: Die Löhne sind ein wichtiges Thema, aber ganz sicher nicht das einzige.
Herr Biedermann, herzlichen Dank für dieses Gespräch! tw |