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Ausgabe: 2010.3
 
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14.06.2010
 
Dreifache Verantwortung
Wo sich Nachhaltigkeit konkret niederschlägt
Dreifache Verantwortung - Wo sich Nachhaltigkeit konkret niederschlägt

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, ob Ihre Fahrzeugflotte Ihren effektiven Bedürfnissen entspricht? Wissen Sie, inwiefern Entwicklungen im Treibstoffpreis Ihre Mobilitätskosten beeinflussen können? Haben Sie sich schon gefragt, wie viel Arbeitszeit unproduktiv im Auto absolviert wird? Welche Kriterien haben Sie definiert, um Neuanschaffungen zu betreiben? Sind alternative Treibstoffe bei Ihnen ein Thema? Wie hoch sind Ihre Flottenverwaltungskosten? Wie viel CO2 und Feinpartikel produziert Ihre Flotte jährlich?

Autor: Marc Münster

Ein grosser Teil der Schweizer KMU betreibt eine eigene Fahrzeugflotte. Was auf den ersten Blick wie eine banale technische Aufgabe aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen als Prozess mit hohem Potenzial sowie gegebenenfalls auch einem Risiko. Flottenmanager befinden sich in einem aktiven Spannungsfeld, das betriebswirtschaftliche Aspekte, gesetzliche Vorgaben, Sicherheitsbelange, Mitarbeiterbedürfnisse und ökologische Aspekte zusammenbringt. Diese fünf Felder können nur dank einer gut durchdachten Flottenlösung gemeinsam funktionieren. Wobei diese täglich mit den Zielkonflikten der nachhaltigen Entwicklung – wirtschaftliche Effizienz, soziale Gerechtigkeit und ökologische Verantwortung – konfrontiert sind. Der schwankende Ölpreis, die CO2-Lenkungsabgabe auf Brennstoffen, die Ausdehnung der Lenkungsabgabe auf Treibstoffe und die wohl bald eingeführte leistungsabhängige Motorfahrzeugsteuer auf Neufahrzeuge drängen eine Optimierung von Fahrzeugflotten in Unternehmen und Verwaltungen in den Vordergrund. Unternehmen berechnen ihren CO2-Ausstoss und unternehmen Massnahmen zu dessen Reduktion. Zudem zwingen die Abflachung der Konjunktur, der Wettbewerbsdruck und die technologischen Innovationen die Unternehmen zur Effizienzsteigerungen. Mitarbeitende verabschieden sich jedoch nicht gerne von langjährigen Gewohnheiten (beispielsweise Firmenwagen). Handeln in einer komplexen Lage ist somit gefragt.

Chancen und Risiken

Die Chancen eines professionellen und auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Flottenmanagements liegen auf der Hand: Kostentransparenz; Kosteneinsparungen durch Treibstoffverbrauchverminderung; gut unterhaltene, schlanke und an die effektiven Bedürfnisse ausgerichtete Flotte; gesunde und motivierte Mitarbeitende; Imagesteigerung dank Umweltgedanke sowie Erhöhung der Flexibilität. All diese Chancen können jedoch nicht von heute auf morgen genutzt werden. Es ist die Herausforderung der Flottenmanager/-innen, Verhaltensänderungen im Unternehmen herbeizuführen und damit einen Change- Prozess in Gang zu setzen.

Wie sieht eine ökologische Flotte aus?

Sich mit einem Fahrzeug fortzubewegen hat immer einen negativen ökologischen Impact. Es geht also darum, erstens das Mobilitätsbedürfnis zu reduzieren (Möglichkeiten: Telekonferenzen oder Telearbeit), zweitens ökologischere Alternativen zum Auto anzubieten und schlussendlich die Fahrzeuge der Flotte so ökologisch wie möglich auszuwählen. Im Lebenszyklus eines Autos ist die Phase der Nutzung am umweltrelevantesten. Etwas vereinfacht gesagt, Motorfahrzeuge haben einen Einfluss auf das Klima (CO2-Austoss) und auf die Gesundheit (NOx und Feinpartikel). Betrachtet man Fahrzeuge in Bezug auf CO2, sind heutzutage die Hybridfahrzeuge etwas besser gestellt. Aus gesundheitlicher Sicht hingegen sind es jedoch die naturgasbetriebenen Fahrzeuge. Dieselfahrzeuge mit Partikelfilter bleiben auf einem hohen NOx Wert, sind aber CO2-mässig besser als Bleifrei. Je nach Unternehmensstrategie und Nutzungsart nimmt somit ein jeweils anderes Fahrzeug den Platz als nachhaltigstes Vehikel ein. Man sollte auch im Auge behalten, das jede Fahrzeugkategorie in den letzten Jahren grosse Fortschritte gemacht hat und deshalb leistet bereits eine Erneuerung der Flotte einen Beitrag zum Umweltschutz. Als Hilfe dient der jährlich publizierte Ratgeber des Verkehrs-Clubs der Schweiz VCS, welcher Fahrzeugmodelle nach CO2-, Schadstoff- und Lärmbelastung bewertet. Schlussendlich gilt die Regel für eine ökologische Flotte: Je kleiner, desto besser und umso billiger. Es lohnt sich also die Auslastung sorgfältig zu berechnen.

Veranstaltungshinweise

Zertifikatskurs «Mobilitätsmanagement | Umsetzung in Unternehmen und Verwaltungen»
Daten: 21./22. Sept. 2010, 17. Nov. 2010, 8. Dez. 2010, 19. Januar 2011
Ort: Biel

Orientierungsseminar «Nachhaltiges Flottenmanagement | Technologische Trends, interne Kommunikation und Wertschöpfung»
Datum: Mittwoch, 13. Oktober 2010
Ort: Olten

www.sanu.ch

Interner Flottenbetrieb, Business CarSharing oder Outsourcing?

Das Management einer Fahrzeugflotte kann auf unterschiedlichste Arten gemeistert werden. Sei dies durch Outsourcing, Business-CarSharing oder interne Lösungen mit Dienst- oder privatbetriebenen Fahrzeugen. Jede Variante hat verschiedene Vor- und Nachteile. Die optimale Wahl hängt von den Eigenheiten und den Bedürfnissen des einzelnen Unternehmens ab und muss entsprechend sorgfältig entschieden werden. Erbringt das Unternehmen alle Flottenmanagementleistungen selbst, spricht man von Inhouse- Management. Diese Lösung hat die Vorteile dass das Know-how intern bleibt und bietet eine schnelle Reaktionszeit. Da das Flottenmanagement aber sehr komplex ist, kann eine hohe Professionalität nur bei grossen Flottenbeständen gewährleistet werden.

Outsourcing bietet zusätzliche, professionelle Leistungen; Gesamtkostentransparenz, aktive Marktverfolgung und hohe Themenkompetenz (beispielsweise im Bereich Ökologie), birgt aber die Gefahr der Abhängigkeit sowie von möglichen Firmenkulturunterschieden. Die Komplexität der Aufgabe und die höheren Ansprüche an das Flottenmanagement haben seit einigen Jahren immer mehr Grossunternehmen zum Outsourcing getrieben. Die Mobility Solutions AG bietet diesbezüglich, als ehemalige Flottenmanagementabteilung der schweizerischen Post, ihre Dienstleistungen an.

Für KMU, die ihre Fahrzeug nur sporadisch brauchen und die ihren Sitz im urbanen Umfeld haben, bewährt sich die intermediäre Lösung des Business-CarSharing mehr und mehr. Der ganze Fahrzeugunterhalt wird vom Betreiber übernommen und die Kosten sinken, da die Autos ausserhalb der Arbeitszeiten anderen Kundinnen und Kunden zur Verfügung gestellt werden. Der erfolgreiche Schweizer Anbieter Mobility zeigt diesbezüglich einen starken Aufschwung.

Flottenmanagement in einem Mobilitätsmanagementkonzept einbetten

Flottenmanagement ist schlussendlich nur ein Teil eines Mobilitätsmanagementkonzeptes, das wirkungsvoll am Unternehmen angepasst, kohärent, glaubwürdig und nachvollziehbar sein muss. Das Spesenreglement, die Parkplatzmöglichkeiten, die so genannte Car Policy (wer darf wie, wann und unter welchen Bedingungen welches Vehikel der Fahrzeugflotte benutzen) müssen abgestimmt werden. Das betrifft auch Arbeitsweg, Kundenverkehr und Geschäftsreisen. Nur wenn all diese Bereiche unter dem Gesichtspunkt der nachhaltigen Entwicklung gemanagt werden, hat man eine Chance, die Fahrzeugflotte nachhaltig zu gestalten. Damit ist vor allem die Akzeptanz der Mitarbeitenden gefordert. Man kann beispielsweise auch Kriterien entwickeln, für welche Art von Geschäftsreisen das Auto, der ÖV oder das Flugzeug auszuwählen ist. Bei Swisscom zum Beispiel wissen die Mitarbeitenden dank einem intern entwickelten Tool, welches Verkehrsmittel sie für jede spezifische Reise bevorzugen müssen. Dabei wird die Zeit, die beispielsweise im Zug gearbeitet werden kann, als wirtschaftliches Kriterium einberechnet. Ein ähnliches Tool ist kostenlos online auf www.routerank.com verfügbar.

Nachhaltigkeit konkret im Flottenmanagement einbetten

Gemäss Aldo Faglia, Geschäftsführer von Fleetconsulting, kann die Nachhaltigkeit folgenderweise in die Car Policy und das Spesenreglement des Unternehmens umgesetzt werden:

• Erfüllen von aktuellen gesetzlichen Auflagen

• Erfüllen von zukünftig zu erwartenden gesetzlichen Auflagen

• Umweltbewusstsein bei den Benutzern von Firmenfahrzeugen schärfen

• Öko-Image der Firma nach aussen tragen•

Gleichbehandlung von Mitarbeitenden

• Besitzstandwahrung der Mitarbeitenden

• Kombinierte Mobilität fördern (Fahrgemeinschaften, vergünstigte ÖV-Abos)

• Business CarSharing statt «klassische» Firmenfahrzeuge anbieten

• Kleinere und effizientere Autos einsetzen

• Energie-Effizienz-Kategorie

• Treibstoffverbrauchs-Index

• Km-Entschädigungen / Autopauschalen für Privatfahrten reduzieren

• Weniger / keine Gratis-Firmenparkplätze (Anreiz zur Benutzung von ÖV oder Fahrgemeinschaften)

Grundsätzlich birgt ein verantwortliches Flottenmanagement viele Chancen und Potenziale. Es darf aber nicht unterschätzt und muss professionell betrieben werden. Nur somit kann ein dreifacher Nutzen erreicht werden: wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch.

Autorenangaben
Marc Münster, Dipl. Geologe, Nachdiplom EPFL in Umweltmanagement, ist Mitglied der Geschäftsleitung und Bereichsleiter «zukunftsfähiges gemeinwesen » bei sanu | bildung für nachhaltige entwicklung in Biel. Marc Münster hat mehrere Nachhaltigkeitsinstrumente mitentwickelt und Beurteilungen durchgeführt. Er begleitet die Schweizerische Erfahrungsaustauschgruppe «Nachhaltigkeitsbeurteilunglokal » des Amts für Raumentwicklung ARE, und ist Ko-Autor des Leitfadens «Nachhaltigkeitsbeurteilung von Projekten auf der Ebene der Kantone und Gemeinden». Er unterrichtet seit 2005 zu diesem Thema bei sanu sowie verschiedenen Fachhochschulen und Universitäten. www.sanu.ch
 
 
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