Autor: Heinz Kaegi
Statistiken belegen, dass Frauen ebenso gute Führungskräfte abgeben wie Männer. Gemäss einer weltweiten Studie des amerikanischen Beratungsunternehmens Caliper können Frauen unter anderem besser überzeugen und mit Misserfolgen umgehen, ausserdem seien sie teamorientierter. Weshalb gibt es trotzdem wenige Frauen in Führungspositionen? Wann ist die Teppichetage reif für mehr weibliche Qualitäten? Was haben Unternehmen davon, wenn sie mehr Frauen in Führungspositionen haben?
Männliche Kriterien
In die obere Führungsetage schaffen es bisher nur wenige Frauen. Es scheint, dass sie sich in einem Wettbewerb bewähren müssen, dessen Kriterien ihre männlichen Kollegen definiert und an sich selbst orientiert haben. Eine Verweiblichung der Führungsetage könnte auch als Bedrohung der männlichen Führungsidentität wahrgenommen und deshalb (unbewusst) behindert werden. Zudem scheint den Frauen oft das eigene Selbstverständnis und der Mut zu fehlen. Oder sie disqualifizieren sich selbst in Einzelfällen durch kompensatorisches Emanzen-Verhalten, welches eher abschreckt als einlädt.
Ich habe Frauen in Führungspositionen getroffen, welche sich ihren männlichen Kollegen auf erstaunliche Weise angepasst haben: Sie reden wie Männer, sie kleiden sich betont maskulin. Und ich habe Frauen getroffen, welche ihre Weiblichkeit getragen und vermittelt haben: Sie kommunizieren feinfühlig und glaubwürdig. Sie führen empathisch und respektvoll. Sie identifizieren sich mit ihrer Aufgabe und sind ausgezeichnete Beispiele für soziale Kompetenz. Wir könnten sagen, dass Frauen tendenziell mehr Identifikation, Verpflichtung, Hingabe mitbringen. Dass solches auch eine Schattenseite birgt, ist offensichtlich: Je einseitiger die Identifikation, desto limitierter der Blickwinkel. Ein männlicher Kollege könnte in diesem Vergleich als cooler Manager wirkungsvoll ins Rennen gehen, weil er die Fakten tendenziell stärker und die Gefühle weniger berücksichtigt. Leadership ist allerdings weder einseitig auf der weichen Insel der Gefühle noch auf dem betonierten Fundament von Zahlen, Daten und Fakten zu verwirklichen.
Der geforderte Paradigmenwechsel hat spätestens im letzten Jahrhundert begonnen. Damals, als die Frauenquote zum Thema wurde. Der Kulturwandel ist heute unmerklich in vollem Gang. Visionäre Unternehmungen sind im Begriff, das weibliche Potenzial für die Teppichetage zu erschliessen. Sie integrieren auch neue Formen von familiären Bedürfnissen, welche den Rollentausch ermöglichen. |