KMU auf dem Weg ins digitale Zeitalter

erstellt am 15 Juni 2017 durch tm

Viele Schweizer Firmen befinden sich in einer Umbruchphase hin zu einer stärkeren Digitalisierung. Inwiefern werden dadurch die Berufe revolutioniert? Was hat sich in diesem Bereich als Best Practice bewährt?

Quelle: KMU-Portal der Eidgenossenschaft

 

Die Digitalisierung wird von vielen kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz als Chance angesehen, wie eine Studie von Credit Suisse aus dem September 2016 ergab. Knapp drei Viertel der Befragten (72,3%) sind der Ansicht, dass die Nutzung der neuen Technologien die beste Möglichkeit darstellt, um die Wettbewerbsnachteile der Schweiz zu bekämpfen. Mehr als ein Fünftel der Schweizer KMU gibt an, bereits stark digitalisiert zu sein. Doch bevor wir diesen nacheifern, sollte definiert werden, was unter der Digitalisierung eines Unternehmens zu verstehen ist. 

Für Paul de La Rochefoucauld, Experte für digitale Transformation und Gesellschafter der Consultingfirma Open Web Technology, bedeutet Digitalisierung, dass sich dank der neuen Technologien der Beruf, die Verfahren und/oder das Produkt wandeln. Ein anschauliches Beispiel ist der Luftverkehr. "Früher haben wir in einem Reisebüro Flugtickets aus Papier gekauft und den Check-in bei den Mitarbeitern am Flughafen durchgeführt. Heute kaufen wir unsere Tickets selbst im Internet und nutzen beim Boarding unser Smartphone." 

Die meisten Informationen eines Unternehmens – von den Kundenbeziehungen bis zu den Geschäftsprozessen – befänden sich bereits in den Computern, hebt Jana Koehler vom Fachbereich Informatik an der Hochschule Luzern hervor. "Die Grundidee der Digitalisierung ist das Anfertigen einer digitalen Kopie dieser Daten mit Hilfe einer Software, damit diese miteinander verbunden und flexibel genutzt werden können, sodass ein Mehrwert entsteht." Die Digitalisierung hat Vor- und Nachteile. "Natürlich ist alles schneller und flexibler. Aber wir sind auch zu 100% von dieser virtuellen Welt abhängig. Wenn das Informatiksystem einer Bank mehrere Tage nicht funktioniert, existiert die Bank nicht mehr." 

Aufbau neuer Infrastrukturen 
Für KMU, die ihre Produkte ins digitale Zeitalter überführen möchten, muss man einen Zugang zu dieser Welt bauen. Die neue Infrastruktur beruht auf drei Säulen. Die erste Säule ist das Produkt als solches. "Früher waren die Produkte der Firmen einfach nur Hardware; Software gehörte nicht dazu", erklärt Jana Koehler. "Heute werden beide Komponenten gemeinsam entwickelt und bilden ein Produkt, das nennt man Hardware/Software-Co-Design." Zweitens muss das Unternehmen eine Brücke zwischen dem Produkt und der Cloud bauen – die Anschlussfähigkeit. 

Die dritte Säule ist der Aufbau der Cloud, also Server, die alles beinhalten, was der Kontrolle, dem Monitoring oder der Optimierung des Produktes dient. Die Cloud enthält auch eine Datenbank mit Informationen zur Verwendung des Produktes und Mechanismen für die Analyse dieser Daten (siehe Download "How Smart Connected Products Are Transforming Competition", S. 7). 

Hilfe finden 
Die meisten KMU haben bisher noch keine Software entwickelt. Am schwierigsten wird es für sie sein, bei der Entwicklung ihrer Produkte Hard- und Software miteinander zu verbinden. Um dies zu schaffen, müssen sie Kontakt zu Fachleuten aufnehmen. "Man muss für diese Aufgabe ein Team zusammenstellen, das zum einen aus Mitarbeitern der IT-Abteilung besteht und zum anderen aus Personen, die sich beruflich mit Digitalisierung befassen. Dieses Team analysiert systematisch, was im Unternehmen alles gemacht werden kann", erklärt Paul de La Rochefoucauld. 

Seine Firma geht immer nach derselben Methode vor, egal ob es um eine Bank geht oder um eine Uhrenfabrik. "Zuerst skizzieren wir die kundenseitige Wertschöpfungskette. Im Fall der Fluggesellschaft wäre das die Auswahl des günstigsten Flugtarifs durch den Kunden, die Gepäckaufgabe, der Flug und die Ausgabe der Koffer. Dann überlegen wir, welche Teile dieser Kette dem Kunden anders angeboten und geliefert werden können. So entscheiden wir zum Beispiel, die Anmeldung am Schalter in einen virtuellen Check-in umzuwandeln." 

Wünschenswert sei auch, sich mit Firmen aus derselben Branche auszutauschen, mit denen man nicht in direkter Konkurrenz stehe, rät Jana Koehler. Der Kontakt zu Dachverbänden und Handelskammern kann ebenfalls ein guter Weg sein, um sich zu informieren, was in der eigenen Branche passiert. 

Vermeidbare Fehler 
Für die Geschäftsführung eines KMU ist es unerlässlich, vor dem Start genau zu definieren, welche Position in naher Zukunft erreicht werden soll. Die Professorin der Hochschule Luzern weiss, dass "diese digitalen Transformationen viel Geld kosten können. Man sollte nicht mehr als nötig unternehmen." Was auch nicht passieren darf, ist, dass man sein Produkt nicht gut genug absichert. Und man darf nicht zu lange warten: "Das ist ein Problem bei vielen Schweizer Unternehmen, die erstmal abwarten, was sich in ihrer Branche tut, anstatt selbst initiativ zu werden."

 

Quelle: KMU-Portal der Eidgenossenschaft

Im Ende Juni erscheinenden Magazin Blickpunkt KMU 2/2017 werden diverse Artikel zum Thema Digitalisierung zu finden sein. Themen sind unter anderem Data Sciene, VoIP, Daten-Backups sowie Spielregeln für Smartphone + Co.

 


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