«Mit Leidenschaft können Sie dem Papst ein Doppelbett verkaufen»

erstellt am 02 November 2017 durch Theo Martin Bild: zvgBild: zvg

Brauchen wir mehr oder weniger von der Digitalen Welt? Die Meinungen dazu gingen am Schweizer KMU-Tag in St. Gallen diametral auseinander.

Wolfgang Frick wollte am KMU-Tag Mut machen, schneller und konsequenter zu entscheiden. Laut dem Geschäftsleiter Marketing und Sortimentsmanagement bei Spar (Schweiz) tun sich Menschen schwer damit, weil Entscheiden auch Verzichten heisst.

 

Das alte Problem

«Wir wissen es, aber wir tun es nicht», so Frick. Wer Kunden über den Preis gewinnt, werde sie auch über den Preis verlieren. Denn der Kunde sucht einen Nutzen, nicht eine Marke. Es sei ein Irrtum zu glauben, mit noch mehr Informationen eine bessere Entscheidung zu treffen.

 

Unser Kaufverhalten von heute sei der Wohlstand von morgen. «Mit Leidenschaft können Sie dem Papst ein Doppelbett verkaufen», so Frick. Es brauche einen Kurswechsel. Wir müssten den Mut haben weniger in Zahlen zu investieren und den Blick nach vorne zu wenden.

In Offline-Beziehungen investieren

Wir müssten wieder lernen Vertrauen zu geben in Mitarbeiter und deren Fähigkeiten. Digital könne kein Vertrauen generiert werden. Es brauche den Mut, wieder mehr in Offline-Beziehungen zu investieren, so der Spar-Manager.

 

Philipp Riederle sah es naturgemäss völlig anders. Er hat schon als Teenager Chefs beraten und hatte am KMU-Tag die Aufgabe, den digitalen Wandel zu erklären. Riederle (Jahrgang 1994) produzierte bereits mit 13 Jahren seinen eigenne Podcast und wurde schnell zum Vortragsredner und Medienunternehmer.

 

Junge kennen nichts anderes

Virtuelle Welt sei eine Erweiterung für die reale Welt, so Riederle. «Das digitale ist aber nicht eine andere Welt, sondern eine neue Technologie.» Das aber ist entscheidende, denn «Wir kannten die Welt nie anders als Digital.» Das bedeutet, dass die heutige Jugend problemlos kontaktieren, zugreifen und publizieren kann.

 

Woher er das alles wusste? Von den Eltern nicht, er hat es im Selbststudium gelernt. Was heute vor allem fehle, sei Medienkompetenz. Riederle glaubt, dass die Digitalisierung für viele auch das Ende der Arbeit bedeutet.

 

Es geht schneller, als viele glauben

Die Veränderung werde viel schneller kommen als vielen lieb sei, zeigte der Jungunternehmer am Beispiel der selbstfahrenden Autos (selbstfahrende Traktoren sind in Süddeutschland bereits Realität).

 

Es gehe nicht darum, eine neue Idee zu haben, sondern die neuen Anforderungen zu verstehen – also Effizienz und Innovation, weil die Markteintrittsschranken viel tiefer sind. «Wir befinden uns in der einschneidendsten Entwicklung der Geschichte», bilanzierte Riederle.

 

 

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