«Synergien zwischen Mensch und Maschine schaffen»

erstellt am 14 November 2017 durch Theo Martin Bild: zvg/swiss.image.ch/Andy Mettler/Europa Forum LuzernBild: zvg/swiss.image.ch/Andy Mettler/Europa Forum Luzern

Alle Industrien und jeder Beruf wird von der Digitalen Revolution erfasst werden. Was das bedeutet, zeigten mehrere Unternehmer am Europaforum Luzern.

Hauptgrund der Entwicklung sei das explosive Wachstum der Daten, sagte Alessandro Curioni, Vice President IBM Europe und Direktor des IBM-Instituts in Rüschlikon. Dazu haben alle beigetragen. Interessant aber ist, dass die Mehrheit der Daten heute noch unstrukturiert ist. Sie zu analysieren ist nicht einfach. Der strukturierte Teil werde bis 2020 auf sieben Prozent sinken.

 

Menschliche Intelligenz erhöhen

Die neue Revolution heisse deshalb artificial Intelligence (künstliche Intelligenz). Alle Industrien und jeder Beruf werde davon erfasst werden. So werde der Prozess verbessert, wie Erfindungen gemacht werden. In den letzten neun Jahren gab es 50 Millionen Publikationen, die nun endlich besser verknüpft werden könnten. Es gehe darum, Synergien zwischen Mensch und Maschine zu schaffen. Diese Partnerschaft soll bessere Entscheidungsgrundlagen schaffen. IBM wolle die menschliche Intelligenz erhöhen, nicht ersetzen. Künstliche Intelligenz werde viele Businessmodelle verändern.

Tonnie De Koster und Hanne Melin stellten den Digitalen Binnenmarkt vor. Schützt die EU mehr, als dass sie den Wandel ermöglicht? Das sei falsch, argumentierte De Koster. So spreche die EU mehr über Chancen als über Risiken. Die positiven Auswirkungen seien zahlreich und betreffen eben längst nicht nur die IT. Alle Firmen sollten digitale Companies werden, da die Digitale Revolution alle Länder erfasst. Eine Fragmentierung sei deshalb zu vermeiden.

 

Auch Kleine können global sein

Sollen die Kunden geschützt werden oder das Business ermöglicht werden? Es sei beides, so De Koster. Global zu sein bedeute nicht, ein riesiges Unternehmen zu sein, so Melin. Global könne auch sehr klein sein. Vielfach werde aber die Bedeutung der Unabhängigkeit unterschätzt. Wer schafft die Regeln? eBay oder die EU? Laut Melin ist es jeweils der Erste – aber die Länder könnten zusammen eine Regulierung beschliessen. Wer Regeln schaffen wolle, müsse auf seine Stärken setzen – die Schweiz beispielsweise auf die Ausbildung, meinte De Koster. Kleine Firmen können nicht Regeln durchsetzen, auch wenn es sehr dynamische Unternehmen gebe.

 

Aus der Praxis

Zwei Firmen zeigten auf, wo sie bei der Digitalen Revolution den Fokus setzen. Marcel Stalder, CEO von Ey, sagte, der Wandel sei fundamental. Letztlich gehe es um die Transformation von der analogen zur digitalen Welt in der Zeit von 2005 bis 2025. Kurz vor Einführung des iPhone war die Welt noch produktdominiert. Die Zukunft werde aber bedürfnisorientiert sein, die Prozesse digitalisiert, automatisiert und robotisiert. 5 Themen brauche es zur Transformation: Die Strategie neu denken, Operating-Modelle (Abläufe automatisieren), Support integrieren und IT. Am wichtigsten aber sei, die Mitarbeiter von der alten in die neue Welt zu bringen.

 

Alles geht schneller

Gerd Manz von Adidas stellte die vor vier Jahren beschlossene neue Strategie vor, mit der Adidas schneller wurde, auf Open Source setzte und die Kunden ernst nahm. Heute geht es nicht mehr um Produkte, sondern um Erfahrungen und spannende Momente. Adidas müsse sich ständig erneuern, 80 Prozent des Umsatzes stammt heute von Produkten, die weniger als ein Jahr alt sind. Industrie 4.0 werde Lösungen zur Flexibilisierung bereitstellen.

Jürg Werner, CEO von Metall Zug, stellte sich die Frage, was ein Unternehmen macht, das langlebige Investitionsgüter herstellt. Praktisch alles ändere. Die Tochter VZug geht heute viel stärker auf die Kunden ein. In der Lebensdauer von 15 Jahre werden Apps und Verbindungsschnittstellen aber ändern. Die Tochter Schleuniger ist weltweit führender Hersteller von Bordnetzen in Autos (4 km Kabel pro Auto!).

 

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