„Wir würden am liebsten noch mehr Startups auszeichnen“

erstellt am 21 Februar 2018 durch tm Cutiss AG, eine der Siegerinnen des letzten Jahres. Bild: zvgCutiss AG, eine der Siegerinnen des letzten Jahres. Bild: zvg

Fünf Schweizer Startups erhalten am 30. Mai von der W.A. De Vigier Stiftung einen Förderpreis von CHF 100‘000.00. Aus einer Rekordzahl von über 220 eingereichten Projekten wählte die Fachjury ihre Top 16 Kandidaten. Manche Idee lässt gar Hoffnung keimen – für enttäuschte Hörgerätenutzer, für eine nachhaltige Landwirtschaft oder für Menschen mit Blutvergiftung.

(mt) „Mit 221 Anmeldungen wurden wir dieses Jahr förmlich überschwemmt“, so Regula Buob, Geschäftsführerin der W.A. de Vigier Stiftung. „Vor uns auf dem Tisch lagen so viele geniale Projekte, dass wir uns im Selektionsausschuss zwischendurch anschauten und fragten, ob wir nicht noch mehr Startups auszeichnen könnten. Wir empfinden es als Privileg, immer wieder aus der Crème de la Crème der Schweizer Startup-Szene aussuchen zu können und sind uns bewusst, dass wir viele hervorragende Jungunternehmen nicht berücksichtigen können. Glücklicherweise sind auch andere Stiftungen, Organisationen und private Investoren darum bemüht, hiesige Startups in einer frühen Phase zu unterstützen, damit sie schnell genug auf den Markt gelangen“, so Buob. Seit bald 30 Jahren fördert die Stiftung des Unternehmers Bill De Vigiers junge Unternehmerinnen und Unternehmern mit dem höchstdotierten Startup Preis der Schweiz.

Nun werden die Top 16 ein Assessment durchlaufen und ein vertieftes Validierungsgespräch mit dem Stiftungsrat führen. Dabei werden auch Aspekte wie Leadership, Teamführung und Unternehmertum als Selektionskriterien ausgelotet. Mitte April stehen dann die Top 10 fest, die am Tag der Preisverleihung ihre Ideen präsentieren.


Dies sind die Top 16 (in alphabetischer Reihenfolge)

ACUBE Technology AG aus Nidau (BE) – Zugang per Smartphone anstatt via Tickets und Badges
Das Handling von Billetten, Badges und Garagentor-Handsendern ist sowohl für den Nutzer wie auch für den technischen Dienst mühsam und aufwändig. ACUBE nutzt für einfachere Zugänge und automatische Bezahlung das Smartphone. Dank der Kombination aus einem patentierten Ortungssystem mit einer App gehören verlegte Tickets und peinliche Arm-Ausstreck-Manöver vor der Parkhausbarriere bald der Vergangenheit an.

AgroSustain GmbH (VD) – Bio-Fungizide für nachhaltige Landwirtschaft
Produzenten von Landwirtschaftserzeugnissen stehen unter Druck. Um Ernte- und Lagerungsverluste zu vermeiden, werden chemische Fungizide eingesetzt, die sich negativ auf die Biodiversität sowie unsere Gesundheit auswirken. AgroSustain entwickelt ökologische Präventions- und Behandlungsprodukte gegen ein breites Spektrum von Pilzerregern. Interessant sind diese für die Lagerung, für die Holzwirtschaft, Gärtner und Landwirte.
AUDATIC GmbH aus Zürich (ZH) – Bessere Performance von Hörgeräten in lauter Umgebung
Hörgeräte lassen ihre Träger in lärmigen Situationen oft im Stich. AUDATIC setzt neuste Methoden der künstlichen Intelligenz ein, um störende Hintergrundgeräusche herauszufiltern und das Hörerlebnis deutlich zu verbessern. Ob im Restaurant, unterwegs oder beim Geschäftstreffen: Hörgerätenutzer können dank der Technologie von AUDATIC wieder mit mehr Freude und Selbstbewusstsein an Gesprächen teilnehmen.

GratXray AG aus Villigen (AG) – Zuverlässigere und schmerzfreie Erkennung von Brustkrebs
Das ETH und PSI Spin-off entwickelt ein Brust-Bildgebungsverfahren, das volumetrische 3D-Bilder mit noch nie dagewesenem Kontrast produziert. Die Vorteile gegenüber der klassischen 2D-Mammographie: Die Bildinformationen erlauben zuverlässigere und spezifischere Diagnosen, wodurch Fehldiagnosen weitgehend vermieden werden. Zudem ist das Verfahren für die Patientin schmerzfrei, denn die Brust muss nicht zusammengedrückt werden.

GRZ Technologies AG aus Sion (VS) – Effiziente Speicherung erneuerbarer Energie
Die fluktuierende Eigenschaft erneuerbarer Energie macht deren Speicherung zur Herausforderung. Hydrogenbasierte Lösungen scheinen attraktiv, brauchen jedoch zu viel Platz. GRZ Technologies speichert Wasserstoff auf besonderen Materialien und kann den Speicherplatz um eine Grössenordnung verringern. Das Walliser Startup bietet eine sichere und effiziente Art der Wasserstofflagerung und damit eine Lösung für die Speicherung erneuerbarer Energie.

hemotune AG aus Zürich (ZH) – Revolutionäres Blutreinigungsverfahren bei Sepsis
Das Verfahren von hemotune kann schwer zugängliche Giftstoffe aus dem Blut entfernen. Eigens entwickelte magnetische Nanoteilchen binden sich an die Giftstoffe und können nachfolgend magnetisch abgetrennt werden. In einem Zusatzgerät zur Dialysemaschine werden diese Nanoteilchen mit dem Blut vermischt und mitsamt den Giftstoffen wieder entfernt. Die erste Anwendung wird zur Entfernung von Endotoxinen bei akuter Blutvergiftung entwickelt.

IDUN Technologies AG aus Zürich (ZH) – Neuartige Sensoren zur Gesundheitsüberwachung
Heutige Wearables bieten nur tiefe Signalqualität, was die Datenauswertung erschwert. Die weichen Sensoren des Zürcher Startups erhöhen den Tragekomfort auf der Haut. Dank des optimierten Oberflächenkontakts ist die Signalqualität auch ohne Elektrolyt-Gel sehr hoch. Langzeitanwendungen und Messungen in anspruchsvollen Umgebungen werden möglich.

inVoli aus Renens (VD) – Sichere Integration von Drohnen in den Luftverkehr
Zusammenstösse zwischen Drohnen und Flugzeugen werden zunehmend zur Gefahr. inVoli bietet die Infrastruktur für eine sichere Integration von unbemannten Flugobjekten in den bestehenden Luftverkehr. Die Technologie des Waadtländer Startups will Daten zur Flugverkehrslage zugänglich machen und Beteiligte sowie die Flugkörper selbst mit den notwendigen Instrumenten ausrüsten, um die Lüfte sicherer und effizienter zu nutzen.

Myoswiss AG aus Zürich (ZH) – Tragbare Muskeln für Menschen mit Bewegungseinschränkungen
Myoswiss entwickelt den Myosuit: Eine Kleidungsschicht aus tragbaren Muskeln, die alltägliche Aktivitäten unterstützt. Die Lösung kombiniert Robotik und funktionelle Textilien in einem bequemen Produkt, das weniger als fünf Kilogramm wiegt. Neuartige Algorithmen gekoppelt mit Sensorik und Aktorik kontrollieren die unterstützenden Kräfte während den Bewegungen des Nutzers.

nanoleq GmbH aus Zürich (ZH) – Eine neue Generation von Kabeln
Kabel sind anfällig. Dies ist z.B. bei medizinischen Geräten oder Fabrikrobotern ein Problem. nanoleq entwickelte eine fundamental neue Art von Kabeltechnologie. Unter mechanischer Belastung weist das FlexOne Kabel des Zürcher Startups eine bis zu hundertmal höhere Lebensdauer auf als ein Standardkabel und behält seine hohe Flexibilität. Die Zielmärkte von nanoleq liegen in der Medizinaltechnik, in high-end Audioanwendungen und in der Robotik.

onCyt Microbiology AG aus Zürich (ZH) – Überwachung der Wasserqualität in Echtzeit
Sauberes Wasser ist lebenswichtig. Die mikrobiologische Qualitätsüberwachung basiert heute auf vereinzelten Proben, die nach 24 bis 72 Stunden Resultate mit beschränkter Aussagekraft liefern. Die Problemerkennung ist nicht gewährleistet und die Zeitverzögerung verunmöglicht ein schnelles Eingreifen. Mit der onCyt-Technologie lässt sich Wasser vollautomatisch, kontinuierlich und in Echtzeit überwachen, um Qualitätsveränderungen rasch und zuverlässig festzustellen.

Sensoryx AG aus Zürich (ZH) – Gefühlsechteres Eintauchen in die virtuelle Welt
Bisher mussten Nutzer störende Steuerelemente in den Händen halten anstatt direkt mit der virtuellen Welt interagieren zu können. VRfree ist ein mobiles 3D-Trackingsystem, das Hände und Finger vollumfänglich im Cyberspace abbildet und ein buchstäblich greifbares Eintauchen in die virtuelle Welt ermöglicht. Diese Lösung kombiniert verschiedene Sensortypen und bietet eine realitätsidentische, mobile Bewegungserfassung ohne Verzögerung.

SUN bioscience aus Lausanne (VD) – 3D-Zellkulturen für effektivere Behandlungsentscheide
SUN bioscience bringt eine Plattform für standardisierte organoide 3D-Zellkulturen auf den Markt, die patientenspezifische Tests für die direkte Wirksamkeit von Behandlungen erlauben. Heutige Methoden, die auf Biomarkern beruhen, sind oft unzureichend verlässlich. Die Lösung von SUN bioscience optimiert Medikationsentscheidungen und vermeidet unwirksame Therapien. Dies ermöglicht milliardenschwere Einsparungen im Gesundheitswesen.

SwissDeCode GmbH aus Renens (VD) – Höhere Lebensmittelsicherheit dank Schnelltest
Auf dem Weg vom Bauernhof bis auf den Teller können Nahrungsmittel vielerorts kontaminiert werden. Der Verzehr verdorbener Lebensmittel kann lebensbedrohliche Folgen haben. DNAFoil ist ein Vor-Ort-DNA Test, der von Lageristen ohne Laborausrüstung durchgeführt werden kann. Resultate liegen dank DNAFoil binnen 30 Minuten vor, im Gegensatz zu den Testverfahren im Labor, die erst nach vier bis sieben Tagen Ergebnisse liefern.

Touchless Automation GmbH aus Biel (BE) - Kontaktloses Handling von Mikrokomponenten
Touchless Automation bietet innovative Lösungen für jede Industrie, die Mikrokomponenten verarbeitet. Sobald die sensiblen Mikrokomponenten berührt werden, besteht die Gefahr des Verkratzens, der Verschmutzung oder sonstiger Beschädigungen. Die Lösung des Bieler Startups kann Komponenten aller Materialien bewegen – völlig kontaktfrei.

TWIICE aus Lausanne (VD) – Massgeschneiderte Exoskelette als Alternative zum Rollstuhl
Exoskelette gibt es bereits auf dem Markt, sie sind jedoch zu teuer und sitzen nicht richtig. Das Lausanner Startup TWIICE will dies ändern und bringt eine Lösung mit modularer Architektur auf den Markt. Das Exoskelett kann dadurch spezifisch auf die jeweiligen Bedürfnisse des Trägers zugeschnitten werden ohne den Kostenrahmen zu sprengen.


Über den W.A. De Vigier Förderpreis

Der W.A. De Vigier Förderpreis ist die älteste und mit jährlich 500'000 Franken Preisgeldern (5 mal CHF 100‘000.00) die höchstdotierte Auszeichnung für Jungunternehmer in der Schweiz. Seit ihrem 29-jährigen Bestehen hat die Stiftung insgesamt über 10 Millionen Franken Startkapital verteilt. Daraus resultierten bis heute rund 80 erfolgreiche Startups, mehrere Börsengänge, einträgliche Firmenverkäufe und zahlreiche neue Arbeitsplätze.

Bei der Projektbeurteilung fallen folgende Faktoren ins Gewicht: Die Unternehmer-Persönlichkeit, der Innovationscharakter, die gesamtgesellschaftliche Relevanz, die technische und finanzielle Realisierbarkeit sowie Marktchancen und der Arbeitsbeschaffungseffekt.


Bewerbung W.A. De Vigier Förderpreis 2019

Vom 01.10.2018 bis am 07.01.2019 können sich Startups für die Preisvergabe 2019 bewerben. Angesprochen sind Jungunternehmer/innen mit Wohnsitz in der Schweiz, die in der Regel nicht älter als 45 Jahre alt sind und die sich in ihrer Firma für die Realisierung und Vermarktung einer innovativen, zukunftsweisenden Produkt- oder Dienstleistungsidee einsetzen.


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