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Schweizer Beratungsmarkt setzt Wachstum fort

erstellt am 23 Juni 2015 durch tm

Auch im Jahr 2014 entwickelte sich der Beratungsmarkt in der Schweiz positiv. Das zeigt die aktuelle ASCO-Beratermarkt-Studie 2015.


(mt) Die Umsätze im untersuchten klassischen Management Consulting stiegen 2014 im Schnitt wie im Vorjahr um 3–5% und erreichten ein Volumen von gut CHF 1,5 Mrd. Profitieren konnten vor allem grosse Unternehmensberatungen,
also solche mit rechnerisch 50 oder mehr Vollzeitstellen. Sie
konnten sowohl Umsatz als auch die Anzahl Stellen mehrheitlich um rund 10% steigern. Aber immerhin auch 40% der Unternehmensberatungen mit 50 oder weniger Vollzeitstellen konnten ihren Umsatz um 10–15% steigern, dies bei meist konstantem Personalbestand.

Die ASCO-Beratermarktstudie wird vom Schweizer
Branchenverband der Unternehmensberater ASCO (Association of Management Consultants Switzerland) jedes Jahr durchgeführt.

Den starken Franken im Auge
Die Entscheidung der Nationalbank von Mitte Januar, die
Schweizer Währung nicht mehr künstlich tief zu halten, trifft
auch die Beratungsbranche. Dies äussert sich nicht nur in Form einer starken Nachfrage nach Beratung im Zusammenhang mit der Währungsproblematik, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Branche. So bemühen sich Anbieter aus dem Euro-Raum vermehrt um Projekte in der Schweiz. ASCO-Präsident Marcel Nickler relativiert aber im Communiqué: «Erfolgreich ist diese Strategie nur dann, wenn die Berater auch aus dem Euro-Raum rekrutiert werden und der Kunde keine entsprechenden Zugeständnisse bei
den Projektkosten verlangt. Ausserdem mindern die Kosten, die in der Schweiz anfallen, den vermeintlichen Vorteil.» Eine
indirekte Folge, so Nickler, seien die verständlichen Bemühungen der Kunden, einen Teil der währungsbedingten
Nachteile durch Preisverhandlungen auf der Kostenseite
zumindest teilweise auszugleichen. Doch, so Nickler, sei dies
bei einem partnerschaftlichen Verhältnis immer eine lösbare
Herausforderung. Und letztlich ergäben sich daraus möglicherweise auch neuartige Beratungsprofile und Geschäftsmodelle.

Starke Nachfrage aus der Industrie und dem Finanzsektor
Die grösste Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen kamen für Unternehmensberatungen mit 50 oder weniger Mitarbeitenden aus der Investitionsgüterindustrie und dem öffentlichen Bereich.

Die Beratungsschwerpunkte lagen bei den Themen Kostenkontrolle, Fusionen und Social Media. Bei den Beratungshäusern mit 50 oder mehr Stellen kam die Nachfrage vor allem aus der Finanz- und Pharmabranche. Die «Grossen» erwarten eine Zunahme vor allem in den Bereichen Innovationsmanagement und Unternehmensstrategien.

Auffallend ist, dass sich die Kunden mehrheitlich für Unternehmensberatungen interessieren, die eine ähnliche Unternehmensgrösse aufweisen wie sie selber. Der
Grund dafür dürfte darin liegen, dass so der Struktur und der
Komplexität der Bedürfnisse am besten Rechnung getragen werden kann.

Erfahrene Berater gesucht
Der «War for Talents» ist in der Schweizer Beratungsbranche
weiterhin ein aktuelles Thema. Die Talente umfassen jedoch
heute viel mehr als nur Hochschulabsolventen. Peter Dauwalder vom ASCO-Beirat erläutert: «Die Beratungshäuser sind gefordert, die besten Fachkräfte als Direkt- oder
Quereinsteiger zu rekrutieren. Bei Quereinsteigern spielt das
Alter immer weniger eine Rolle. Zudem wird auch intensiv
versucht, auf allen Stufen Mitarbeiter der direkten
Wettbewerber zu rekrutieren.» Ein Problem stelle die im
Februar 2014 angenommene Initiative dar, die sich gegen die
sogenannte «Masseneinwanderung» richtet. Eine starke
Verknappung von Kurz- und Langzeitaufenthaltsbewilligungen
werde einen starken Einfluss haben und den Wettbewerb um die besten Mitarbeiter verschärfen.

Positive Aussichten für 2015
Die Marktentwicklung im laufenden Jahr wird von den befragten Unternehmensberatungen positiv eingeschätzt: Die meisten Beratungsunternehmen erwarten für 2015 eine moderate bis gute Entwicklung der Umsätze. Für Patrick Pfäffli, Mitglied des ASCO-Beirats, ist jedenfalls klar: Jeder Tag der Beratung müsse aus Sicht der Kunden «jeden einzelnen Franken wert» sein. Wenn sich die Berater noch stärker auf den Nutzen des Kunden fokussierten und weniger auf ihre eigenen Fähigkeiten, dann werde die Branche auch «Honorarmodelle finden, die deren Wertbeitrag angemessen und fair entlöhnen». Generell herrscht in der Branche Zuversicht, resümiert Holger Greif, Leiter der
ASCO-Studie und Vorstandsmitglied der ASCO: «Die wirtschaftlichen Aussichten werden von den Beratungshäusern als positiv eingestuft, was sich auf eine entsprechend gute Nachfrage für Beratung von Seiten der Kunden auswirkt», stellt er fest. «Dabei sind die Effekte der Währungsentscheidung allerdings noch nicht berücksichtigt.»

Die ASCO-Beratermarktstudie ist die einzige unabhängige Studie zum «klassischen» Management Consulting. Die ASCO trägt nach eigenen Angaben seit Jahren zu einer erhöhten Transparenz der Branche bei. Die Studie wird neu in zwei Teilen durchgeführt. Die quantitativen Resultate wurden jetzt präsentiert. Die qualitative Umfrage erfolgt im Herbst 2015.
Die Online-Befragung wurde von März bis April 2015
durchgeführt. Die beteiligten grössten Unternehmensberatungen decken einen Marktanteil von rund 70% ab.

ASCO
Die ASCO, Association of Management Consultants Switzerland, repräsentiert als Standesvertreterin der Schweizer Unternehmensberater rund 2200 Beraterinnen und Berater im Bereich des klassischen Management Consulting, was einem Marktanteil von ca. 60% entspricht. Sie sichert als Schweizer Instanz – unter anderem auch mit der individuellen und international anerkannten Zertifizierung von Unternehmensberatern CMC (Certified Management Consultants) – die Qualität der Beratung.


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